Die Chronik des Vereins

- von 1935 bis 2000 -

 

 

Wir schreiben das Jahr 1933. Die Stadt Gladbach-Rheydt wird wieder in die Stadt Mönchengladbach und Rheydt getrennt. Zwei Jahre nach der Trennung erscheint in den örtlichen Tageszeitungen eine Anzeige, die Angler aufmerken lässt: Im „Lokal Conrady“ wollen sich Petrijünger aus beiden Städten treffen, um einen Anglerverein zu gründen. Der Gründungsort ist nicht ganz zufällig gewählt: Das Lokal liegt genau auf der Stadtgrenze zwischen Gladbach und Rheydt. Den Angelfreunden geht es nicht um lokalpolitisches Kirchturmdenken – ihnen geht es um das gemeinsame Interesse. Da soll niemand ausge-grenzt werden. Immerhin … 13 Angler erscheinen, um den

 

„Anglerverein e.V. Mönchengladbach und Rheydt 1935“

 

aus der Taufe zu heben. Es sind Dr. Bennewitz, H. Cohnen, K. Cohnen, F. Jendges, O. Frenz, A. Lawrenz, H. Rammrath, R. Schulz, W. Vits, W. Wassenhoven, K. Kruse, W. Münten und W. Trappmann.

 

Zum ersten Vorsitzenden wählen die Angler W. Wassenhoven. Der noch junge Verein zählt bei der zweiten Versammlung schon 38 Mitglieder. Der Vorsitz wechselt in den Anfangsjahren noch recht häufig. Auf W. Wassenhoven folgen Dr. Hartmann, Dr. Hempel und Schlosser. Ausgerechnet im zweiten Kriegsjahr lebt die Vereinstätigkeit auf. Das liegt wohl vor allem an Wilhelm Heinen, der im Jahre 1940 den Vorsitz übernimmt. Unter seiner Ägide werden zu den bisherigen Gewässern des Vereins – Volksgartenweiher und Geroweiher – weitere Gewässer angepachtet: der Badhotelweiher, der Bellermühleweiher, die Alte und Neue Niers, der kleine Hariksee, der Vorwärmerweiher. Der erste Bombenabwurf auf deutschem Boden mit Todesopfern trifft am 11. und 12. Mai 1940 die Städte Mönchengladbach und Rheydt. Die Innenstädte werden zu 60 bzw. 90 Prozent zerstört. Durch Bombentreffer werden auch die meisten Gewässer und ihre Fischbestände geschädigt. Der Volksgartenweiher liegt völlig trocken; von den Kriegsfolgen arg gebeutelte Anwohner holen die Fische heraus. Der Anglerverein selbst hat den Verlust von 27 Mitgliedern zu beklagen, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben lassen.   

 

Ein Jahr nach Kriegsende kommt es zur ersten freien Kommunalwahl in Mönchengladbach und Rheydt; die Vereine leben langsam wieder auf; auch der Anglerverein. Wiederum ist Wilhelm Heinen hier die treibende Kraft. Auf der Generalversammlung am 16. Januar 1948 wird beschlossen, den Verein beim Amtsgericht Rheydt offiziell in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Die Mitgliederzahl steigt auf 87 an; die Gewässer werden alsbald wieder hergerichtet und neu mit Fischen besetzt.

 

Die folgenden Jahre sind ruhig. Bis zum Jahr 1953, in dem sich viel ereignen wird. Zu Jahresbeginn, am 25. Januar, findet die Landesverbandstagung der Landesgruppe Nordrhein auf Schloss Rheydt statt. Ausrichter ist der Anglerverein 1935. Im März des Jahres dann das erste Fischsterben, dem im Laufe der Jahre noch etliche folgen sollen. Betroffen ist der Volksgartenweiher. Wie Untersuchungen von Wasser- und Bodenproben ergeben, befindet sich Öl im Schlamm des Weihers. Die Stadt Mönchengladbach bestimmt in jenem Jahr noch einmal die Schlagzeilen, als das Nato-Hauptquartier Mitteleuropa-Nord in die Vitusstadt verlegt wird. Zwei Jahre später, am 12. März 1955, gibt es dann das erste große Jubiläum: Der Verein feiert im „Krefelder Hof“ in Mönchengladbach sein 20-jähriges Stiftungsfest. Die noch lebenden Vereinsgründer Heinrich Cohnen, Fritz Jendges, Arthur Lawrenz und Wilhelm Vits werden vom ersten Vorsitzenden, Wilhelm Heinen, mit der goldenen Vereinsehrennadel geehrt.

 

Das erste wirklich große Fischsterben ist im September 1957 zu beklagen. Im Odenkirchener Badhotelweiher treiben mehrere Zentner toter Fische an der Wasseroberfläche. Der Schaden wird auf etwa 10.000 Mark beziffert – damals eine große Summe. Der Verursacher kann nicht festgestellt werden; der Verein muss den Verlust selbst tragen.

 

Neben seiner Tätigkeit als erster Vorsitzender des Anglervereins Mönchengladbach-Rheydt widmet sich Wilhelm Heinen 16 Jahre lang der Verwaltung des Verbandes. Als erster Vorsitzender und Geschäftsführer leitet er die Landesgruppe Nordrhein im VDSF (Verband Deutscher Sportfischer). Für seine erfolgreiche Arbeit erhält er als Anerkennung die goldene Plakette des VDSF.

 

Im August 1958 verursacht ausgerechnet das Gesundheitsamt der Stadt Mönchengladbach ein erneutes Fischsterben, als durch unsachgemäßes Spritzen von Insektenvertilgungs-mitteln im Volksgartenweiher zahlreiche Fische zugrunde gehen.

 

Im Jahre 1960 gelingt es dem Kassierer des Vereins, Edmund Mann, ein neues Angel-gewässer zu pachten. In Genhodder bei Rheindahlen wird ein etwa drei Morgen großer Baggersee zum neuen Revier der Angler. Am 4. März des gleichen Jahres wird im Auftrag der Stadtverwaltung der Badhotelweiher entschlammt.

 

Am 2. April 1960 stehen dann die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Vereinsjubiläum an. Im Terrassensaal der Rheydter Stadthalle wird das 25-jährige im gebührenden Rahmen feierlich begangen. Der damalige Rheydter Oberbürgermeister Wilhelm Schiffer überbringt die Grüße der Stadt.

 

Im Oktober 1961 pachtet der Verein dann einen zweiten Baggersee in Genhodder an, so dass von da an in Genhodder I und Genhodder II zu unterscheiden ist. Völlig überraschend kommt dann eine Entscheidung des ersten Vorsitzenden Wilhelm Heinen auf einer außer-ordentlichen Mitgliederversammlung am 1. Juni 1961: Aus gesundheitlichen Gründen legt Heinen den Vereinsvorsitz nieder und übergibt die Geschäftsführung an den bisherigen zweiten Vorsitzenden Max Loose. Letzterer wird bis zu den Neuwahlen den Verein kommissarisch leiten. Wilhelm Heinen wird von der Versammlung zum Ehrenvorsitzenden gewählt.

 

Für das Jahr 1962 wird die Neue Niers innerhalb der Mönchengladbacher Stadtgrenzen sowie der Volksgartenweiher vom Verein neu angepachtet. Im Januar dieses Jahres legen nicht weniger als 52 Vereinsmitglieder die vom Verband eingeführte Fischerprüfung ab. Mit dem Vereinsmitglied Josef Dennhoven stellt der Verein den Fischerkönig 1962 des Bezirks Düsseldorf-Neuss und Umgebung. Einstimmig wird Max Loose zum ersten Vorsitzenden auf der Jahreshauptversammlung am 1. Februar 1962 gewählt.

 

Im Jahr darauf kann der Verein von der Stadt Rheydt den Stadtwaldweiher pachten. Am 1. Juni 1963 folgt die Anpachtung des Wassergrabens um Haus Horst, zunächst für sechs Jahre.

 

Mit Beginn des Jahres 1964 werden im Verein Fangbücher eingeführt. Außerdem muss sich jedes Mitglied verpflichten, acht Arbeitsstunden im Jahr zur Säuberung der Gewässer und deren Ufer zu leisten.

 

Viel zu tun gibt’s für die Mitglieder an den Gewässern Genhodder I und II. Die Baggerseen werden eingezäunt, der Ufer- und Hangbereich aufgeforstet und bepflanzt. Aus dem Bad-hotelweiher werden Seerosen geholt, die zusammen mit Schilf und anderen Wasserpflanzen in die Gewässer eingebracht werden. Damit trägt der Anglerverein zum Entstehen zwei neuer Biotope bei. Wenngleich damals vom „aktiven Umweltschutz“ noch nicht die Rede ist; die Angler tun bereits genau das, worüber andere Jahrzehnte später nur theoretisieren werden: Sie geben Tieren und Pflanzen neuen Lebensraum.

 

1964 wird in Haus Horst Wirklichkeit, was sich ein Jahr zuvor bereits angedeutet hat. Der Wassergraben trocknet aus, der Lebensraum für Fische ist verschwunden. Erst im Laufe des Jahres 1965 füllt sich der Graben wieder mit Wasser.

 

Auf der Jahreshauptversammlung 1966 wird der Beschluss gefasst, dass alle Vereinsmitglieder die vom Verband vorgesehene Fischerprüfung ablegen müssen. Erst Jahre später, 1973, wird dies durch das Fischereigesetz Nordrhein-Westfalen gesetzlich geregelt.

 

1968 wird Günter Kinna zum Geschäftsführer gewählt, der (zusammen mit Max Loose) über lange Jahre, bis 1985, die Geschicke des Vereins entscheidend mitbestimmen wird.

 

Fischsterben und Wasserverluste führen in den folgenden Jahren (von 1968 bis 1985) den Verein immer wieder heraus, aber auch über erfreuliche Ereignisse ist zu berichten:

 

1968:     Fischsterben im Bellermühleweiher, verursacht durch Einleitung von schwerem Heizöl; der Verursacher leistet Schadenersatz.

1969:     Wasserspiegel in Haus Horst sinkt bedrohlich, am 11.10.1969 wird abgefischt.

1970:     Fischsterben im Badhotelweiher, ein Verursacher wird nicht ermittelt, das Wasser aus dem Weiher wird vollständig abgelassen, danach wird der Grund gesäubert und mit Brandkalk bestreut.

1970:     Volksgartenweiher wird entschlammt, vorher wird abgefischt, die Fische werden im wieder mit Wasser gefüllten Badhotelweiher umgesetzt.

1971:     Der Stadtwaldweiher ist vollständig mit Wasserknöterich verkrautet. Die Müllkippe wird geschlossen.

1971:     Wieder Wasserverlust in Haus Horst. Am 11.9.1971 wird abgefischt.

1971:     Ab 1.11.1971 kann wieder im Volksgartenweiher gefischt werden.

1972:     Fischsterben im Volksgartenweiher, die Feuerwehr pumpt Frischwasser in den Weiher.

1973:     Am 1. Januar 1973 tritt das Landesfischereigesetz in Nordrhein-Westfalen in Kraft. Damit ist die Fischerprüfung für alle Angler Pflicht – ohne Fischerprüfung gibt es keinen Fischereischein mehr.

1973:     Der Anglerverein beantragt die Mitgliedschaft im Stadtsportbund; erst 6 Jahre später, 1979, wird dem Antrag entsprochen.

1974:     Im Volksgartenweiher wird eine „Fontäne“ installiert, damit das Wasser mit Sauerstoff angereichert wird.

1975:     Kommunale Neugliederung: Durch Zusammenschluss der Städte Mönchen-gladbach, Rheydt und Wickrath entsteht die Stadt Mönchengladbach.

1976:     Der Graben um Haus Horst ist wieder mit Wasser gefüllt.

1977:     Wieder Fischsterben im Badhotelweiher.

1981:     Wieder Fischsterben im Badhotelweiher.

1981:     Nach dem die Stadt am Badhotelweiher eine Wasserumwälzanlage mit Fontäne installiert hat, sterben durch den Betrieb der Anlage alle Seerosen ab.

 

 

 

Das Jahr 1985 markiert einen neuerlichen Einschnitt in der Geschichte des Anglervereins. Am 1. Mai 1985 besteht der Verein exakt ein halbes Jahrhundert. Die entsprechenden Feierlichkeiten zum 50-jährigen Vereinsjubiläum finden am 21. September 1985 im „Haus Baues“ in Mönchengladbach-Windberg statt.

 

Zuvor, am 12. April 1985, verleiht Mönchengladbachs Oberbürgermeister Karl-Heinz Feldhege dem ersten Vorsitzenden des Anglervereins, Max Loose, die goldene Ehrennadel der Stadt.

 

                                                                    Hintere Reihe:

                             Hans Püllen                   Herbert Theves

      Martin Baudach        Max Lose, Frau Lose,      Edmund Mann

                                                                Vordere Reihe

 

Auch in der Vereinsführung gibt es einen Generationenwechsel, der sich im Vorfeld der Feierlichkeiten bereits angedeutet hatte: Auf der Jahreshauptversammlung am 1. November 1985 tritt der bisherige Vorsitzende Max Lose nicht mehr zur Wiederwahl an, ebenso geben Edmund Mann als Kassierer, Günter Kinna als Geschäftsführer und Burghard Bruns als Schriftführer den Weg frei für jüngere Vereinsmitglieder. Max Loose hat vom 2. Juni 1961 bis dahin den Vorsitz, Günter Kinna seit Mai 1968 die Geschäfte des Vereins geführt.

 

Zum neuen Vorsitzenden wird Herbert Theves gewählt, Geschäftsführer wird Hans Püllen. Zweiter Vorsitzender wird Rainer Meinerz, Schriftführer Ernst Hoss. Weiter werden gewählt Hans Gerd Rauxloh (Kassierer), Wilfried Reuen und Walter Kaiser (Jugendleiter), Herbert Gerresheim und Wilhelm Bongartz (Sportwarte), Günter Scherbarth (Gewässerobmann) und Martin Baudach (Sozialwart).

 

Auf dem Fischerfest am 28. Oktober 1990 werden die Teilnehmer von einem besonderen Auftritt überrascht: Das „Colonia Duett“ sorgt für beste Stimmung.

 

1994 gibt es einen Wechsel in der Vereinsführung: Nach dem der erste Vorsitzende Theves sein Amt zur Verfügung stellt, wird Wilfried Reger zum neuen ersten Vorsitzenden gewählt.

 

Am 9. Juni 1995 verenden Tausende Fische im Badhotelweiher, nachdem von der Kamm-garnspinnerei Stöhr versehendlich verschmutztes Wasser in den Weiher eingeleitet worden ist. Offenbar sind zuvor von einer Baufirma die Anschlüsse für Regenwasser- und Schmutz-wasserkanal vertauscht worden. Zwei Jahre später ist nach einem Chemieunfall wiederum ein großes Fischsterben im Badhotelweiher zu verzeichnen. In beiden Fällen ist Schaden-ersatz geleistet worden.

 

Und wieder zwei Jahre später, in 1999, gibt es nach einem Brand in der Chemiefirma Dicke ein Fischsterben im Badhotelweiher, nachdem Löschwasser und Tenside in den Weiher gelangte. Die Fische verendeten wegen des sauren Wassers und des Sauerstoffmangels.

 

Am 20. Januar 2000 kommt es am späten Abend, nach der Jahreshauptversammlung, zu einem Raubüberfall: Geschäftsführer Hans Püllen wird vor seinem Haus in Högden von einem Osteuropäer mit einer Pistole bedroht. Der Dieb hat es auf einen Pilotenkoffer abgesehen, in dem sich jedoch nicht die erhofften Beitragsgelder, sondern nur Unterlagen befinden. Der Dieb entkommt unerkannt, verletzt wird niemand.

 

Am 1. Mai des neuen Jahrtausend (2000) wird der Verein 65 Jahre alt. Anlässlich dieses Jubiläums wird eine große Feier in der Gladbacher Jahnhalle geplant. Stargäste sind die „Bläck Fööss“ aus Köln, die in diesem Jahr ihr 30. Bühnenjubiläum begehen.

 

 

Von links nach rechts:

Heinz-Willi Nieveler, Winfried Lewitz, Hans-Peter Vennen, Jutta Schnock, Hans Hermann Oversberg, Martin Baudach, Werner Rösen, Hans Püllen, Rainer Meinerz, Jutta Salentin, Willi Bongartz, Wilfried Reger, Michael Penners, Klaus Loschwitz, Kerstin Heyes, Stefan Esser, Friedhelm Bongartz